November 2017

Gefahr

JPGMAG_3738091kl

Normalerweise wird Kühnheit in der Fotografie geschätzt. Es gibt Leute, die glauben, dass man unübliche Risiken eingehen muss, um bessere Bilder zu machen. Nach dieser Definition ist der Kriegsfotograf eigentlich der einzig wirkliche Fotograf. Ich will keine unangenehmen oder gefährlichen Dinge tun, um ein bestimmtes Foto zu schießen – es gibt Ausnahmen, aber nicht oft. Wahrscheinlich bin ich nicht cool genug. Sogar kleine Ordnungswidrigkeiten fluten mich mit Adrenalin; die Angst vor Strafe oder Gewalt behindert meine Reaktionsfähigkeit und bringt meine Hände zum Zittern.

Um dieses Bild machen zu können, musste ich trotzdem Widerstände überwinden. Die Typographie auf diesen Schließfächern im Untergeschoss eines deutschen Bahnhofs hatte es mir angetan. Das Problem: Die Örtlichkeit stank nach Pisse. Und nicht nur ein bisschen. Anscheinend hatte sich hier eine Herde diabetischer Moschusochsen mehrfach erleichtert, und danach hatte niemand sauber machen wollen, etwa eine Woche lang. Trotzdem brauchte ich ein Bild von diesen Schließfächern. Also hielt ich die Luft an und ließ die Kamera klicken. Natürlich geht es nicht nur um die Ziffern. Ich mag so ziemlich alles an diesem Bild: die Farben, das Licht, die Struktur.

Glücklicherweise kann man Gerüche nicht fotografieren.

Der deutsche Polizist, der Nazis schützte. Seine Schweizer Kollegen, die einen Hippie ganz genau filzen mussten. Die vereiste Lok im Stuttgarter Bahnhof, bei der ich nicht auf die Schienen trat, sondern nur hinter einen Prellbock. Der Kioskbesitzer, der mich bemerkte und wütend wurde: Gefahrensucher

Midori

JPGMAG_3848562kl

Man kann durchaus auch mal sagen, dass die Natur Hände hat. Sie sind sehr klein, aber nicht unsichtbar, wie die von Adam Smith. Ihre Finger sind nicht ganz entwickelt, als hätte es einen Fehler gegeben, der letztendlich nichts ausmacht. Ich habe sie in einem Tiergarten entdeckt, der auch ein Pflanzengarten ist. Ich bin nicht sicher, ob sie mir gewunken haben, oder ob das nur der Wind war.

Mehr grün

Bühne

JPGMAG_3672281kl

Verglichen mit anderen Kulturinstitutionen sind die Eintrittspreise sehr niedrig – aber die Pariser Metro ist schon seit langem als eines der größten und besten Theater der Welt anerkannt. Alle Zuschauer sollten zur aktiven Teilnahme an den Aufführungen bereit sein.

Reisende: 1 | 2 | 3

Preferences (engl.)