Bild und Lied

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Die punktgenau berechnete Sentimentalität von Bands wie Grandaddy und The National gefällt mir oft nicht, dann aber wieder sehr. Also gibt es die Trefferlieder: This is the part zum Beispiel und Light Years, von denen ich mich angesungen fühlen will, genau wie der letzte Schlagerfan von seinen Trefferliedern angesungen werden will. Die lösende Melancholie tut ihr Werk, und auf dem Parkplatz, zu dem ich oft hinunterschaue, findet das Geistertheater meiner Vergangenheit statt. Als würden sie alle dort herumlaufen, die transparenten Gestalten von vor zehn, zwanzig und dreißig Jahren, und ich mit ihnen. "Hasch mich!" und "Selber schuld!" sind die beliebtesten Ausrufe.

Trefferlieder brauchen Trefferbilder. Das hier ist ein verratzter Aufkleber auf einem Mülleimer in der kleinen Stadt. Ich glaube, es geht um Musik und Tanz, aber sicher kann man nicht sein. Vielleicht auch Politik. Die Gesichter der kleinen, stolzen Männer waren schon verpixelt, als der Aufkleber noch neu war. Dann ist die Zeit darüber hinweggegangen, mit ihrem kratzigen, pelzigen Unterbauch, und dann kam noch mein Computer. Aber die Männer haben ihre Daumen in ihre dekorativen Gürtel eingehakt, daran erkennt man immer noch ihre Entschlossenheit. Abgesehen von dem ganz rechts, der stand nur so dabei. Über ihnen schwebt der große Mann wie ein weiteres Geheimnis.

[Los olvidados]

Schnurtelefon

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William Blake stellte in seinem Tigergedicht 1794 viele Fragen, vor allem die eine: Wer denn den Tiger (möglicherweise zugleich mit dem Schaf) gemacht und ihm die Wildheit der Welt überhaupt eingeflößt hat? Antworten ließen lange auf sich warten, bis Charles Darwin 1859 sagte: Ich weiß es. Dann verging wieder eine Zeit, und Jorge Luis Borges schrieb 1977 El Tigre. Nach fast 200 Jahren war der Tiger endlich erklärt, und heute kennen wir ihn genau.

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Salzig

fontainebleau

Was willst du mit den vergammelten Blumen, wer hat dafür etwas übrig, zum Beispiel Geld oder Liebe? So fragst du mich, weil du eine Anhängerin der Frische bist. Bei mir schlägt aber die halbe Romantik zu. Ich bin eine Maschine mit vielen Inhaltsstoffen, ein Salz aus vielen Elementen, wie du ja auch.

1,50 €

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Verkaufsautomaten, was wäre die Welt ohne sie? Jeder von ihnen ein keines Paradies. Und jede Tüte oder Schachtel, die sie ausspucken: ebenfalls ein kleines Paradies. Und so geht das weiter, bis zur Ebene der winzigsten Teilchen, die gar nichts mehr sind. Das ist kein Problem, weil wir uns mit dem Geschmack zufriedengeben. Oder der bloßen Möglichkeit des Erwerbs, niemand isst den Mist aus dem kleinen Paradies gern. Im Bioladen und am Verkaufsautomat finden ähnliche Arten Schuld statt. In beiden Fällen weiß der Käufer, dass er sich selbst bescheißt. Die Enttäuschung ist jeweils inbegriffen, aber Wunder gibt es ja auch immer wieder.

Unsatisfying

Redekunst

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Hier kommen die Väter zusammen und sagen ihre Zaubersprüche, zum Beispiel "Ahoi" und "Auf Wiedersehen". Ich bin einer von ihnen, obwohl es was kostet. Gerne stehe ich auf und sage: Gewalt ist keine Lösung, wenn sie nicht erlaubt ist.