Trunk

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Der alte Markt war überdacht, so dass er die Luft aus siebenhundert Jahren kompakt zusammenhielt. Wir kamen nach Geschäftsschluss, und die Männer hatten sich schon zu dunklen Gesellschaften versammelt, um den Abend einzutrinken. Manche dieser Gruppen waren von Absperrgittern umfasst, andere brauchten nicht einmal das. Ich hielt mir die Kamera seitlich vor die Brust, um niemanden zu verschrecken. Im Vorbeigehen erschloss sich mir Foto für Foto der Hauptsinn des Begriffs "Gentleman": Der Gentleman schaut, geschäftig gekleidet, einem Sportereignis zu, das gar nicht stattfindet. Er schluckt dabei genau zwei Bier, weil Trunkenheit nur schadet.

In dem alten Markt war einmal ein Film gedreht worden, der aber auch immer mehr in die Vergangenheit zurücksank.

Gift

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Wir waren am Eingang des Gewächshauses gewarnt worden: Vorsicht, Giftpflanzen. Und doch, und doch. Diese Beeren sahen in Wirklichkeit noch viel appetitlicher aus. Obwohl meine Kamera anderer Meinung war, glich ihre Farbe mehr dem Komm-und-iss-mich-Blau von Heidelbeeren. "Ihr verpasst was", flüsterten sie. "Schaut uns an! Wir würden euch doch nie anlügen!" Wir hielten ordentlich Abstand von diesen sozusagen katholischen Beeren, waren sie doch einer der offensichtlichen Gründe für die dringliche Warnung vor Gift.

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Blitz

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Bilder und ihre Geschichten. Neulich stieß ich auf eine Fotografin, die ihr Foto-Equipment und einen Teddybär, einen Sessel und ein Schafsfell in ein Kaufhaus verfrachtet hatte. Anscheinend waren ihre Zielgruppe die Passanten und Einkäufer, die professionelle Bilder von ihren Kindern wollten, ohne einen Termin in einem Fotostudio vereinbaren zu müssen. Ich war so begeistert von ihrer Deko, dass ich sie fragte, ob ich meine "neue Kamera" an ihr testen könne. Sie erlaubte es. Mein kleiner Blitz triggerte ihre fernsteuerbaren Blitze – deswegen weiß ich, dass sein Hersteller über dieses spezielle Feature nicht lügt. Der Moment, als wir uns beide überrascht ansahen, und dann grinsten: Als habe eine Falle wie vorgesehen, aber zu einem unerwarteten Zeitpunkt zugeschnappt. Am Ende fand ich aber die Teddybär-Bilder besser, die ganz ohne Blitz entstanden waren - et voilà.

Fragen

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Profi oder Amateur? Die scheinbar fundamentale Qualität dieser Unterscheidung habe ich bei der Fotografie noch nie verstanden. Ich bin Autodidakt. Manche meiner Fotos werden von einer Agentur vertreten (s. unten). Wieviel Geld habe ich bisher damit verdient? Es läuft auf einen winzigen Bruchteil meines Gesamteinkommens hinaus. Für mich hat all das nichts mit der Frage zu tun, ob ich ein Fotograf bin. Das Konzept, dass man als Fotograf zentnerweise unsäglich teures Equipment durch die Gegend schleppen muss, um ein Heidengeld mit Fotos für die Vogue zu machen, erschließt sich mir nicht. Mich interessiert etwas völlig anderes. Von einem sehr erfahrenen Profi hörte ich einst, dass es ziemlich dauern kann, bis man weiß, was ein Bild ist. Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte. Die Fotografie hat eine Menge Überraschungen zu bieten – nette und weniger nette. Bilder sind abgründig. In dieser Hinsicht bin ich ein ziemlicher Anfänger, obwohl ich seit 2003 fotografiere. Gewisse Fortschritte erzielt zu haben und jeden Tag zu üben – das macht mich zu einem Fotografen. Nicht die Kameras, die ich besitze oder das Geld, das ich mit Fotos verdiene. Es geht um Leidenschaft, Interesse und die Fähigkeit, ein Auge für diese seltsam oszillierende, mäandernde Grenze zwischen Bild und Nicht-Bild zu entwickeln. Und natürlich um tausend Details, die der Arbeitsprozess mit sich bringt.

Das Bild oben entstand im Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln. Ein Besuch dort ist empfehlenswert.

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Liebe

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Was haben ein Frauengesicht, eine Reklame für die Bank of America und ein Rekrutierungsbüro der US-Armee gemeinsam? – Wir waren müde, so unglaublich müde. Ein anstrengender Tag in New York, ein Spaziergang über die Brooklyn Bridge, dann weiter zum Times Square. Es war, als würde ich von all den Bildschirmen geröntgt. Aufgrund des unglaublichen Durchsatzes elektrischer Energie schien die Temperatur höher als in der umgebenden Stadt. Und all der Kram, mit dem meine Augen zurechtkommen mussten. Dann, mitten im Orkan die roten Stühle am Times Square selbst. Der eine Platz auf der Erde mit der möglicherweise höchsten Dichte an Werbeanzeigen für Waren und Dienstleistungen – er bietet kostenlose Sitzplätze. Du kannst da so lange bleiben wie du willst und wie du es erträgst, ohne was zu konsumieren. Von Werbeanzeigen abgesehen, die dich röntgen.

All that and more | In her wake

Greater New York