Verwandt

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Die Einsamkeit der Dinge geht uns nichts an, denken wir. Dabei gleichen sie uns doch. Erst werden sie geboren, später sterben sie und dazwischen verbringen sie ihre Zeit mit Herumstehen und Warten. Man sollte meinen, dass wir für ihre Lage ein wenig Verständnis aufbringen, aber Solidarität gehört nicht zu unseren Stärken.

S. auch Speiche

Cyano

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Anna Atkins – möglicherweise die erste Frau, die eine Fotografie anfertigte. Schöpferin des ersten Buchs, das ausschließlich mit Fotografien illustriert war (Photographs of British Algae: Cyanotype Impressions, Oktober 1843). Sie brauchte nicht einmal eine Kamera dazu, weil sie auf Cyanotypie setzte; als Botanikerin dachte sie dabei an Wissenschaft, nicht an Kunst. 1799 wurde sie in einer Welt geboren und 1871 starb sie in einer anderen.

Zug

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Wir installierten uns an der Ecke der Bar, von wo aus wir alles gut überblickten. Hipster kam, starrte auf sein Smartphone, trank ein Bier, ging wieder. Ein anderer Typ nahm seinen Platz ein und versuchte, die weiblichen Thekenkräfte anzubaggern. Er hatte keinen Erfolg, die jungen Frauen wurden einfach selektiv taub. Auch in anderer Hinsicht waren sie effizient, denn unsere Salate kamen schnell. Wir hatten das Gleiche bestellt, weil die Wissenschaft Reproduzierbarkeit verlangt. Festzuhalten blieb: sehr schmackhaft.

Danach die Beobachtung von zwei Ameisen, die auf einem Kühlschrank in der Nähe unseres Beobachtungsstandorts herumspazierten. Den Kammerjäger riefen wir nicht.

Bei der Selbstbeobachtung stellten wir fest, dass wir einander liebten.

Ein gewisser Miller drohte konstant mit richtig Zugluft im Raum. Niemand schien das zu stören, deswegen hielten wir es für Folklore, genau wie die Ameisen.

Als wir gingen, waren wir angefüllt mit gutem Essen und relevanten Beobachtungen.

Länderspiel

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Vielleicht kann man es so sagen: Die Schweiz ist wie Deutschland, nur mehr. Diese Aufnahme (Zürich, Mai 2014) sieht jedenfalls wie eine der still furchtbaren Szenen von Friedrich Dürrenmatt aus. Er kannte beide Länder sehr gut.

Beatmet

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Ein seltsamer Tag im Januar 2013. Sie untersuchten meine Eingeweide, während ich traumlos schlief. Beim Aufwachen hörte ich den Arzthelferinnen zu; anscheinend erzählte die eine der andern von dem Auto, das sie kaufen wollte. "Da werden sie aber froh sein mit dem Mercedes", sagte ich zu ihr, als ich wieder sprechen konnte. Sie lachte. "Nein, mein Sohn kann günstig einen kriegen." Bald musste man mich nicht mehr stützen, und ich lief nach Hause. Dort holte mich die Erleichterung ein.