Luna

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Da war dieser Garten voller beschädigter und anderweitig nicht mehr benötigter Statuen. Luna stand in einer stillen Ecke, fast sauber und makellos.

"Komm her, mein Sohn", sagte sie. "Ich verrate dir ein großes Geheimnis. Wenn du immer tief in Gedanken und dabei immer kalt wie ein Stein bleiben kannst, liegt ewige Schönheit in Reichweite. Einen Versuch ist es wert!"

"Sie verwechseln mich mit jemandem", lehnte ich ab und machte ein weiteres Foto fürs Archiv.

Lapidarium

Schnee

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Damals trafen wir den Winter dreißig Minuten von daheim entfernt an. Wow, war der gut drauf. Aber es gab noch zu tun, die Deko stimmte noch nicht ganz. Hier fehlte ein Eiszapfen und da eine Schneewehe. Er stellte uns ein paar interessante Fragen. Wie lebte es sich da wohl in dem Wohnwagen? Wie hoch war das Gesamtgewicht des Schnees, der gerade auf Deutschland lastete? Wir hatten viel Spaß beim Raten. Der Winter steckte ein paar Bilder in meine Kamera und schickte uns nach Hause. Er werde in dieser Nacht beschäftigt sein, und unsere Ausrüstung tauge nichts für richtige Action, sorry. Daheim erkannten wir, dass unsere Erfrierungen nicht schlimm waren.

Antreffen

Neon

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Ich gehe nicht oft in den Zauberwald. Bin da eigentlich fehl am Platz, weil mich die Fahrgeschäfte und die Süßigkeiten und das Bier nicht interessieren: All das verursacht mir Übelkeit. Aber zu einem Zauberwald gehört ein besonderes Nachtlicht. Früher wurde es von Glühwürmchen, leuchtenden Pilze und den Reflexen in den Augen wilder Tiere erzeugt, heute ist das Märchenlicht aus Neon, Rauch und Wirbel. Allerdings bahnt sich eine Veränderung an. LEDs verbrauchen weniger Energie; das ist wichtig für die Fahrgeschäfte, die junge Männer zum Mitreisen suchen. Ich reise nicht mit, ich drehe mich nicht einmal im Kreis, bis mir übel wird. Manchmal hebe ich zum richtigen Zeitpunkt meine Kamera.

Ich habe den Verdacht, dass der Zauberwald eigentlich für den Weltraum steht. Wenn ja, dann ist der Weltraum oft recht überlaufen, und es gibt auch dort Ansager, die immer wieder wollen, dass man Lose kauft.

Nachlicht

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Es ist sehr leicht, der Stille zu begegnen. Du installiert dich in der tiefen Provinz und wartest auf den Weihnachtsabend. Etwa um 21.00 Uhr gehst du auf einen Sprung nach draußen. Die Dorfstraßen sind leer. Alle anderen verdauen jetzt, oder sie begutachten die Ergebnisse der Schatzsuche. Möglicherweise weht ein leichter Wind, möglicherweise nieselt es; Schnee kommt erst im Januar. All der Weihnachsschmuck, der bald weggeräumt werden wird, glüht in milder Radioaktivität vor sich hin. Fotos kannst du machen, das geht in Ordnung. Aber kein Blltz, bitte.

Du bewegst dich nicht in einer schalltoten Kammer; die Stille ist wohlmeinend. Ab und zu zieht ein Flugzeug über den Himmel, eine weit entfernte Autobahn murmelt dir zu.

Weil dein Spaziergang kein wirkliches Ziel hat, brauchst du dich nicht zu beeilen. Bleib aber bitte in Bewegung; zu lange Pausen könnten als Herumlungern ausgelegt werden.

Linse

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Würde ich wollen, dass Fotos von mir veröffentlicht werden, auf denen ich in einem Café sitze, durch einen Park spaziere, Rad fahre? Kommt darauf an. Niemand möchte Portraits von sich sehen, die in einen falschen Kontext gerückt oder mit ätzenden Bildunterschriften und herablassenden Kommentaren verziert werden.

Aber man kriegt kein authentisches Bild, nachdem man um Erlaubnis gebeten hat. Es gibt nur sehr wenige Leute, die natürlich agieren können, nachdem man angekündigt hat, ein Foto von ihnen zu machen. Funktioniert einfach nicht. Deswegen frage ich manchmal nicht nach. Und wenn ich nach reiflicher Überlegung zu der Überzeugung komme, dass die Bilder, die ich ohne Erlaubnis gemacht habe, Kunst sind, und dass sie die Abgebildeten nicht herabwürdigen, veröffentliche ich sie auch.

In dem Moment, in dem man eine Kamera kauft, geht man einen Vertrag ein. Wer seine Kamera nicht nutzt, um anderen die Welt zu zeigen, wie er sie sieht, vernachlässigt seine Pflicht als Kamerabesitzer. Er verschwendet Geld und Technik. Warum überhaupt eine Kamera haben, wenn man an dem visuellen Gespräch über die Welt nicht teilnehmen will, das sie ermöglicht? Und welches Thema könnte für dieses visuelle Gespräch interessanter sein, als andere Menschen?

Fotos lügen nicht, sagt man, aber Menschen tun es, weil sie gar nicht anders können. Also fange ich sie manchmal mit meiner Kamera ein, bevor die Körpersprache zu lügen anfängt.

(Dies war keine Rechtsberatung. Wer sich hier wiedererkennt und es nicht mag: Kontakt)

Kunst