Hotel

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Ja, das scheint ein klassisches Gemälde zu sein. Auf den ersten Blick. Wenn man genauer hinsieht, merkt man: Hier stimmt was nicht. Hier stimmt sogar eine ganze Menge nicht. Nach einer gewissen Zeit der Prüfung erkennt jeder, der auch nur für einen Groschen Geschmack hat, wie total vergeigt dieser Schinken ist. Ihre Augen. Ihre Brust. Die Art, wie sie dieses blumentopfdekorierende Figürchen berührt, das zwar geschlechtslos ist, sich aber irgendwie erwartungsfroh in ihre Berührung hineingibt. Der Blumentopf hingegen scheint völlig gewichtslos zu sein. Ihr linker Unterarm ist wohl nicht recht mit dem Rest des Körpers verbunden, aber ihr Kleid fällt im Schulter- / Oberarmbereich auf eine Weise, dass man vermuten muss, der linke Oberarm von Hulk Hogan sei einem Frauen-Imitat transplantiert worden; Studio Frankenstein lässt grüßen. Theoretisch wäre das schon ganz praktisch, sollte der Blumentopf doch ein Gewicht haben. Der Hintergrund hat natürlich gleichfalls charmante Surrealitäten zu bieten. Wälder, die sich spontan in Giftgas verwandeln, sind der Menschheit ja bisher unbekannt – aber wer sagt eigentlich, dass sich diese Szene überhaupt auf der Erde abgespielt haben soll?

Ich habe eine Menge verwunschene Hotelkunst gesehen, aber das hier ist das wunderbarste und erschreckendste Beispiel, das mir je aufgefallen ist. Meine Hassliebe zu dem Genre ist durch den untoten Blick dieses Wesens auf ein ganz neues Niveau angehoben worden. Beeindruckend, wie nachhaltig hier Kunst vermieden wurde. Da sollte irgendeine Form von Bedeutung sein, aber es gibt keine. Die pynchoneske Finsternis, mit der dieser Dreck nur so getränkt ist, schlägt jeden Max Ernst um Längen. Wer auch immer hier am Werk war, hat einen sehr seltsamen Humor. Oder er ist ein Alien.

Und dieses bestimmte Berliner Hotel war bis zum Dach voll mit ähnlichem Mist. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

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