Welten

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Der dritte Tag brachte die Wende. Bis dahin waren wir per Silberwagen von Haltepunkt zu Haltepunkt gefahren. Nun genossen wir es wie einen Wahrtraum. Mädchen hielten ihre blanken Schultern in das Licht, das durch die teilzerkratzten Fenster hereinkam, oder sie schminkten sich, voller Wut auf ihre mittelmäßigen Gene. Die Männer waren schläfrig und träumten sich in ein Leben ein, wie sie es auch sonst führten. Wer sie störte, empfing aus ihren Augen den Zorn des ermüdeten Olymps. Was das fein war, am ersten offenen Strandtag einmal mehr vor dem Ozean ratlos zu sein. So viele photographische Zufälle, Welle für Welle und Pfeilschwanzkrebs für Pfeilschwanzkrebs. Eingedenk der erhöhten Oberflächenspannung hielt unser Zug zusammen, quecksilbrig. So konnte es immer weiter gehen. Hurra, Hurra und Hurra. Die eisernen Räder quietschten die Schienen an, wir dazu einander, so gab es einen modernen Kanon. Ja magisch pulste Musik. Wir sahen genau, dass Weltstädte Säcke der Erinnerung sind, die unterschiedlich tief in den Keller hinab hängen können, allerdings immer gleich prall. So kamen zu den Hochhäusern die Tiefhäuser, die Oktoberfeste zu den Chinatowns, zu den Fraktionen die Frakturen und der Peter zum Wolf.

Du sagtest: "Wir waren mindestens in sieben Welten."

Ich gab zurück: "Stand by me."

Eine andere Wende brachte der vierte Tag.
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Dieser Text findet sich unter dem Titel "Ilium fuit, Troja est" in meinem Band Waschaktive Substanzen, erschienen bei Edition Monhardt, Berlin, 2016. Buchtrailer.

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Greater New York